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Dieser Text wurde mit dem 2. Preis beim Egon-Erwin-Kisch-Preis 2002 ausgezeichnet.
Eine Frau, die ihren Ehemann für immer loswerden will, sollte ihn nicht töten. Er wird sich in ihre Träume stehlen, er wird ihre Gedanken fesseln, er wird ihr Gewissen in Geiselhaft nehmen. Er wird ihr keine Ruhe gönnen, obwohl sie sich nach Ruhe so sehr gesehnt hat. Er wird bei ihr bleiben, bis der Tod seiner Mörderin beide endlich scheidet. Deshalb ist Valerie niemals so sehr verheiratet gewesen wie heute, da sie Witwe auf eigenen Wunsch ist.
Vor sieben Jahren hat sie ihren Mann, Volker L., von gedungenen Mördern umbringen lassen. Heute träumt sie ganz friedlich von ihm: Wie er im Haus umhergeht, den Hof überquert. In Gummistiefeln. Still. Ohne ein böses Wort.
Damals hat sie 50 000 Mark bezahlt, um der Ehe ein Ende mit Schrecken zu machen. Heute trägt sie das goldene Medaillon um den Hals, das ihm am Tag seines gewaltsamen Todes umhing. Auf der einen Seite ist das Gesicht des gemeinsamen Sohnes eingeprägt, auf der anderen Seite ihr eigenes. Man gehört zusammen. Auch seinen Familiennamen trägt sie in Treue fest: Frau Valerie L. Geborene Meyer, verurteilt zu lebenslanger Freiheitsstrafe, eingesperrt in der Justizvollzugsanstalt Lübeck. Jetzt, wo mit der Zeit auch die Angst vergangen ist, liebt sie Volker wieder.
Wie er dalag. Im Regen, hinter dem Hundezwinger. Nur seine Beine hat sie herausragen sehen, dann machte sie kehrt. Winselnd. "Papa, Papa, du schaffst es." Die Herren von der Kriminalpolizei protokollierten später: "Frau L. weint. Frau L. wiederholt: Ich möchte das alles wieder rückgängig machen."
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